Mehr Integration erreicht man nicht durch Beschimpfung
Kategorie: AktuellesDer Erlanger Bundestagsabgeordnete Stefan Müller (CSU, 2.v.r.) hier bei seinem Besuch des Türkisch-Islamischen Kulturvereins Erlangen mit Vertretern des Vereins (l.) und CSU-Stadtrat Mehmet Sapmaz (r.)
Der Erlanger Bundestagsabgeordnete Stefan Müller, Parlamentarischer Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe in Berlin und Integrationsbeauftragter seiner Fraktion, wendet sich entschieden gegen die Äußerungen von Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin. Der ist in Müllers Augen ein notorischer Provokateur, der diesmal eindeutig zu weit gegangen sei.
Müller, der erst kürzlich den Türkisch-Islamischen Kulturverein Erlangen besucht hatte um den Dialog mit der islamischen Gemeinde in seinem Wahlkreis zu pflegen, erklärte, dass für ihn mehr Integration nicht durch Beschimpfungen zu erreichen sei. Sarrazins ständige pauschale Ausfälle gegen Moslems in Deutschland seien der völlig falsche Weg, wenn man die Menschen dafür gewinnen wolle, sich in die deutsche Gesellschaft einzugliedern. Seine jüngsten Äußerungen zu angeblich genetisch bedingten Unterschieden zwischen Juden und Angehörigen anderer Religionen seien an Geschichtsvergessenheit und Geschmacklosigkeit nicht zu überbieten.
Müller: „Ich finde es vollkommen unerträglich, wie der Medienprofi Sarrazin versucht, durch gezielt gesetzte Provokationen sein neues Buch zu vermarkten. Nichts anderes verbirgt sich doch hinter dem ganzen Rummel. Für mich hat sich Sarrazin für jedes öffentliche Amt in Deutschland damit endgültig disqualifiziert. Der Bundesbank und der SPD ist zu raten, jetzt schnell Konsequenzen zu ziehen.“
Der Abgeordnete machte auch deutlich, dass aus seiner Sicht eine Debatte über Integration in Deutschland weiterhin dringend erforderlich sei. Hier sei in den letzten Jahrzehnten in Deutschland „zweifellos sehr wenig richtig und sehr viel falsch“ gemacht worden. So zeigten die Erfahrungen des Berliner Bezirksbürgermeisters Buschkowsky oder der verstorbenen Berliner Jugendrichterin Heisig, dass man die Probleme, die auch Sarrazin anspricht nicht aus dem Blick verlieren darf. Parallele Clanstrukturen etwa, mit eigenen, zweifelhaften Ehrenkodizes, die sich nicht nur gegenüber der Gesellschaft, sondern auch gegenüber dem Rechtsstaat erfolgreich abschotten, sind ein riesengroßes Problem, dem man sich stellen müsse.
„Sarrazins selbstverliebte Provokationen erreichen aber das glatte Gegenteil, nämlich, dass eine sachgerechte Debatte darüber in der politisch aufgeheizten Stimmung gar nicht mehr möglich ist“, so Müller. Genau diese Debatte – und zwar im Dialog mit den Migranten, nicht nur im Sinne eines Redens über sie – sei aber unverzichtbar, wenn Integration in Deutschland funktionieren soll.








