Erklärung zum Jahreswechsel 2010/2011
Kategorie: Aktuelles
Das zu Ende gehende Jahr 2010 war geprägt durch eine Reihe außergewöhnlicher Ereignisse und krisenhafter Entwicklungen, die uns auch im neuen Jahr 2011 weiter beschäftigen werden. Ich will davon nur drei wesentliche Aspekte herausgreifen:
Die Nachwirkungen der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise in Griechenland, Irland und Portugal haben dem Euro-Raum eine Stabilitätsdebatte beschert, deren Ende trotz beherzter Beschlüsse auf europäischer Ebene noch nicht abzusehen ist. Ein Zurück zur währungspolitischen Kleinstaaterei in Europa, wie er von manchen selbsternannten Experten gefordert wird, wäre – davon bin ich überzeugt – ein fataler Irrweg, der unmittelbare negative Auswirkungen auf unser aller Wohlstand hätte.
Der internationale, heute vor allem islamistisch geprägte Terrorismus hat mehr denn je den Westen im Visier: Die Gefährdungslage auch bei uns ist unverändert kritisch, wie die jüngsten Ereignisse in Dänemark und Griechenland deutlich zeigen. Der Westen – und das heißt auch wir Deutschen – müssen uns dieser Herausforderung auch weiterhin stellen.
Unser Engagement in Afghanistan und am Horn von Afrika ist dabei nur ein Teil der Maßnahmen. Ebenso wichtig ist in meinen Augen, dass wir uns der geistigen Herausforderung stellen und als Gesellschaft auch bereit sind für unsere Werteordnung einzustehen. Kurt Westergaard, der Schöpfer der Mohammed-Karikaturen, hat einerseits völlig Recht, wenn er im Licht des jetzt vereitelten Anschlags auf die Zeitung Jyllands-Posten sagt „Wir dürfen und werden uns Kritik am radikalen Islamismus nicht verbieten lassen. Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen.“ Andererseits müssen wir uns aber davor hüten, in Deutschland lebende Muslime unter Generalverdacht zu stellen.
Angesichts dieser Entwicklungen müssen wir vielmehr alles daran setzen, dass Mitbürger mit ausländischen Wurzeln sich bei uns besser als bislang integrieren. Wir dürfen die Bereitschaft dazu einfordern, müssen aber auch unsererseits mehr unternehmen um ein integrationsfreundliches Klima zu schaffen. Deshalb halte ich es beispielsweise für unabdingbar, im kommenden Jahr alles dafür zu tun, dass das lange geplante Islam-Zentrum an der Friedrich-Alexander-Universität Wirklichkeit wird. Integration gelingt am besten, wenn wir uns gegenseitig bemühen unsere Wurzeln zu verstehen. Das Islam-Zentrum ist dazu ein wesentlicher Beitrag.
Gerade wir in der Region Erlangen/Erlangen-Höchstadt profitieren merklich von einer anderen, im Großen und Ganzen positiven Entwicklung: Die Wirtschaft in Deutschland und insbesondere in Bayern hat während der Krise erfahren müssen, dass unsere Exportorientierung Fluch und Segen zugleich ist. Hatten wir noch vor Kurzem ernsthafte Sorge um Leuchttürme unserer Region, erleben wir heute das glatte Gegenteil. In neuesten Rankings schneiden Stadt und Landkreis hervorragend ab, die monatliche Arbeitslosenstatistik attestiert uns Vollbeschäftigung. Für das kommende Jahr prognostizieren Experten Deutschland einen Export-Rekord, der die positive Entwicklung bei uns in der Region nochmals stärken wird.
Wenn wir uns bewusst sind, dass der Erfolg und Wohlstand unserer Region maßgeblich vom außenwirtschaftlichen Erfolg unserer deutschen Wirtschaft abhängt, und wenn wir - auch im Privaten - Vorsorge auch für die Schwächephasen der internationalen Konjunktur treffen, dann dürfen wir trotz aller Krisensignale mit Zuversicht in die Zukunft schauen.
Wir sollten uns darüber hinaus bewusst sein, dass die Region nur gemeinsam stark ist: Der alte Spruch „Stadt und Land – Hand in Hand“ hat angesichts der vielfältigen Verknüpfungen und gegenseitigen Abhängigkeiten und vor allem aus der größeren Perspektive der internationalen Einbindung unserer Unternehmen und der Wissenschaft auch heute seine ungeschmälerte Berechtigung. Manch derzeit erbittert ausgefochtener Streit mag vor diesem Hintergrund unproduktiv und provinziell erscheinen und sollte schnell zu den Akten gelegt werden.
In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein gutes, erfolgreiches und vor allem friedliches neues Jahr 2011. Ihnen und Ihren Familien wünsche ich Gesundheit und persönliches Wohlergehen.








